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Kommentar zum Vortrag am 30.1.: Erich Paulicke - Opfer der NS-Euthanasie aus Osterode am Harz

Während der nationalsozialistischen Diktatur (1933-1945) galten Menschen mit Beeinträchtigung als „lebensunwertes Leben“.

Anhand des Lebensweges des 1926 in Osterode geborenen Erich Paulicke veranschaulichten Andreas Maak und Klemens Wedekind in einem Vortrag in der Stadtbibliothek Osterode das Ausmaß der NS-Euthanasie sowie den Umgang mit den Opfern nach Kriegsende.

 

Ein Kommentar von Natascha Morick:
Zum Vortrag in der Stadtbibliothek Osterode zum Thema Euthanasie im Nationalsozialismus:  - In Gedenken an Erich Paulicke aus Osterode und hunderttausend weitere Opfer

Euthanasie – Der „schöne Tod“!? heißt es zumindest im Altgriechischen. In Zeiten des Nationalsozialismus wurde dieser Begriff allerdings als Deckmantel für die ab 1939 systematische Aussortierung und Ermordung (psychisch) kranker Menschen sowie von Menschen mit Behinderung genutzt. 
Anhand des Werdegangs des 1926 in Osterode geborenen Erich Paulicke veranschaulichten Dr. Klemens Wedekind und Andreas Maak in einem Vortrag in der Stadtbibliothek anlässlich des Holocaust-Gedenktags am 27.Januar  den Beginn, aber auch die Auswirkungen und vor allem die Konsequenzen dieser grausamen Methode der „Rassenhygiene“.

Beschäftigt man sich als selbst körperbeeinträchtigter Mensch nicht nur mit dem Begriff der Euthanasie, sondern auch mit dem Nationalsozialismus im Allgemeinen und liest, wie viele hunderttausende unschuldige Opfer es gab, so kann man ungemein erleichtert sein, dass die gezielte Erfassung und Tötung von Menschen mit Behinderung heute nicht mehr relevant ist. Der Gedanke, dass man als Mensch mit Beeinträchtigung im 3. Reich kein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben hatte, dass sogar andere Leute entscheiden durften, ob man als „lebensfähig“ oder eben „unfähig“ galt ist absolut erschreckend. War aus der Sicht der Nationalsozialisten nämlich letzteres der Fall, war einem ein Platz in einer der vielen Tötungslagern sicher. Selbst Kinder wurden nicht verschont. Unter der Definition der „Kinder – Euthanasie“ wurden ab Mitte 1939 vorerst Säuglinge und Kinder bis drei Jahre meldepflichtig. Später wurde das Alter auf sechzehn Jahre hochgestuft und in einer weiteren Phase sollten dann auch Erwachsene erfasst und getötet werden. Dieses „Unterfangen“ lief fortan unter dem Namen „T4“.
Ob man als Betroffener wusste, was mit einem passierte, wenn man als „Auserwählter“ von einem der grauen Busse abgeholt worden ist, mag dahingestellt sein, unglaublicher Fakt bleibt aber: Die Nationalsozialisten und alle anderen Involvierten wussten definitiv, was sie tun. Sie begangen vorsätzlich Mord.

Bleibt man bei dem Beispiel von Erich Paulicke, der trotz seines Überlebens ein Opfer der Euthanasie war, kann man nachvollziehen, dass er im Alter von 62 Jahren angefangen hat zu malen, um so seine Erfahrungen diesbezüglich verarbeiten zu können. Auch wenn Erich Paulicke diese Qualen überlebt hat, so ist die Vorstellung, dass so viele andere willkürlich aufgrund ihrer Behinderung ermordet wurden, absolut grausam. Die Tatsache, dass man aus der Zeit des Nationalsozialismus und der damit verbundenen Ideologie als behinderter Mensch wohl nicht lebend herausgekommen wäre, könnte einem auch heute noch die Tränen in die Augen treiben. Gerade deswegen darf diese Zeit niemals vergessen werden. 
 

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