Jobwerk

BOB: Praktikum als Berufseinstieg in der Haustechnik

Zum ersten Praktikum direkt ins Alten- und Pflegeheim? Klingt erstmal ungewöhnlich, ist aber für Mike, 19 Jahre, aus Kalefeld eine echte Chance, statt einer Werkstattbeschäftigung direkt in den ersten Arbeitsmarkt zu starten.

Nach einer etwa einjährigen Maßnahme im Berufsbildungsbereich der Harz-Weser-Werke Northeim im Bereich der Holzbearbeitung ergab sich durch den guten Kontakt zwischen Gruppenleiter Lars Meier und dem Altenheim der Inneren Mission gGmbH in Northeim eine Möglichkeit zum Praktikum.

Das Altenheim ist mit 160 stationären Plätzen, einer angeschlossenen Tagespflege und verschiedenen Servicewohnungen eine große Institution in der Northeimer Innenstadt. Um die verschiedenen Ein- und Auszüge zu begleiten und Gebäude und Außenflächen zu pflegen, kümmert sich ein Team aus vier Mitarbeitern in der Haustechnik um die Vielzahl an Aufgaben. Unter der Leitung von Herrn Köter, der auch die hauseigene Wäscherei und den Reinigungsdienst verantwortet, arbeitet Mike mittlerweile seit vier Monaten „auf Probe“ in der Haustechnik. Das Praktikum kann bis zu einem Jahr, also bis zum Ende der Berufsbildungsmaßnahme, verlängert werden. Dabei nimmt Mike weiterhin an der schulischen Ausbildung in der BBS teil und kann bei besonderen Aktionen der Werkstatt, wie seiner geliebten Fußballgruppe, Betriebsausflügen und Feiern dabei sein. Die „BOB“-Maßnahme ist somit ein echter Gewinn für beide Seiten.

Mike hat bereits eine feste tägliche Aufgabe, bei der er täglich die Ver- und Entsorgungsrunde durch das ganze Haus und über das Grundstück dreht. Viel mehr Spaß macht ihm jedoch, dass es immer wieder wechselnde Aufgaben im Team gibt. Ob Bänke streichen mit dem Tischler des Hauses oder die Grünpflege mit der Gärtnerin, am liebsten arbeitet Mike draußen. Der gepflegte Garten hat dafür auch genug Potential, denn es gibt immer viel zu tun, um das Gelände für die Bewohner schön zu machen: Beete von Unkraut befreien und bepflanzen, Laub entfernen, Rasen mähen. In den vergangenen Wintermonaten gab es hingegen mehr Bastelarbeit, z.B. bei der Weihnachtsdeko oder ein großes Holzkreuz aus der eigenen Kapelle aufzuarbeiten.

Begleitet wird Mike bei seinem „BOB“ durch Jobcoach Fabian Klever. Dieser begleitete ihn die ersten Tage fast vollständig, dann zunächst zweimal wöchentlich. Aktuell besprechen sich die beiden etwa alle zwei bis drei Wochen. Herr Klever übernimmt nicht nur eine soziale und fachliche Unterstützung, auch planerische Aufgaben gehören dazu. Bei Mike ein besonderer Aspekt war zu Beginn des Praktikums das Busfahrtraining. Aus Kalefeld zur Inneren Mission gibt es keine Verbindung in einem Stück, das richtige Umsteigen übten die beiden also früh morgens gemeinsam – ein großer Schritt in Richtung Selbständigkeit. Das Beispiel zeigt, dass ein solches Praktikum nicht nur handwerkliche Tätigkeiten vermittelt. Ein wichtiger Teil ist immer auch die Kommunikation: Die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, pünktlich und zuverlässig da zu sein, im Team zurecht zu kommen, gehört genauso dazu. Die BOB-Maßnahme soll Mike dabei behilflich sein, sich für den Arbeitsplatz zu qualifizieren.

Mike empfiehlt seine Art des Berufseinstieg auf jeden Fall weiter. Er kann sich gut vorstellen, längerfristig in diesem Bereich zu arbeiten, zum Beispiel auf einem Ausgelagerten Arbeitsplatz – am liebsten viel draußen und weiterhin mit netten Kollegen. „Es würde auch anderen gut tun, so ein Praktikum mal auszuprobieren“ meint er. Man muss auch vorher nicht alles können, nur bereit sein, sich auf etwas Neues einzulassen. Zurück in die Werkstatt ist für ihn zumindest im Moment keine Option. Um es in Fußballsprache zu sagen: Ein echter Volltreffer, die betriebsorientierte Berufsbildung.

 

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