Der Mittdreißiger Dennis Schmidt hatte es in jungen Jahren nicht immer ganz leicht und war bereits seit 18 Jahren in der Werkstatt der Harz-Weser-Werke in Northeim, als er von der Möglichkeit von Praktika und Arbeitsplätzen außerhalb der Werkstatt mit Hilfe des „Jobwerks“ erfuhr. Bereits bei der HaWeTec war er in der „Haus-und-Hof-Gruppe“ beschäftigt und hielt die Außenanlagen in Ordnung. Grund genug für Jobcoach Klever, einen Vermittlungsversuch beim Bauhof der Gemeinde Kalefeld zu starten. Die Anfrage stieß bei Bürgermeister Jens Meyer und Bauhofleiter Marcel Maase sofort auf Begeisterung, sind doch in einer solchen eher kleinen Gemeinde die Kassen nicht gerade prall gefüllt, aber Arbeit ist um so mehr vorhanden.
Schon wenige Wochen nach der nächsten Anfrage, Ende Juli 2024, ging es für Dennis Schmidt los mit einem zunächst zweimonatigem Probepraktikum beim Bauhof. Beide Seiten entwickelten durch die enge Zusammenarbeit neue Aufmerksamkeit auf Arbeitsinhalte und wichtige Details. „Durch Dennis‘ wissbegieriges Nachfragen wurde mir erst selbst wieder deutlich, wie viele verschiedene Maschinen wir z.B. hier nutzen und wie viele verschiedene Dinge wir beachten müssen.“, sagt Maase. Nach und nach kamen für Dennis immer mehr eigenständige Arbeiten dazu. Über 50 Liegenschaften und 50 Kilometer Straße betreut das 8-köpfige Team mit Betriebssitz auf dem Gut Oldershausen in insgesamt elf Dörfern. Von Tiefbauarbeiten über Bäume und Büsche schneiden bis hin zum Rasenmähen sind viele handwerkliche Aufgaben zu meistern.
Bürgermeister Meyer ist dabei besonders wichtig, mit seiner Mannschaft breit aufgestellt zu sein und auf Unvorhergesehenes schnell reagieren zu können. „Wir hatten mal einen großen Wasserrohrbruch“, erzählt Dennis Schmidt mit Begeisterung; „das war wirklich beeindruckend.“ Fabian Klever ergänzt: „Und ich fand es beeindruckend, wie Dennis im kalten November, bis zu den Knien im Matsch versunken, voller Engagement an dem Rohrbruch gearbeitet hat.“ Echter gegenseitiger Respekt und Wertschätzung sind allen Seiten anzumerken. Bürgermeister Meyer sieht sein „orange leuchtendes“ Team geradezu als Aushängeschild seiner Gemeinde: „Letztendlich haben wir eine doppelt gute Außenwirkung: Einerseits tun wir etwas für die Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigung, wo noch zu viele Barrieren vorhanden sind, andererseits haben wir mit Dennis Schmidt eine offene und motivierte Bereicherung für das Team.“
Gerade auf den Dörfern ist der persönliche Kontakt besonders wichtig, das Team vom Bauhof ist überall bekannt und gern gesehen. Ebenso persönlich und wertschätzend ist die Zusammenarbeit unter den Kollegen. Die anfänglich doch erhebliche Umstellung vom Werkstattalltag zur schweren körperlichen Arbeit mit langen Tagen hat das Team ihm leichter gemacht, erzählt Dennis und freut sich auch über die gute Zusammenarbeit mit seinen „Chefs“. Bei Festen und Veranstaltungen lernt man sich näher kennen und tauscht sich auch über Privates aus. Dennis‘ bisher fehlender Führerschein ist daher mittlerweile kein Problem mehr, oft helfen die anderen Mitarbeiter unbürokratisch mit Mitfahrgelegenheiten und Flexibilität.
Nach gut einem Jahr Zusammenarbeit war es jetzt Zeit für einen nächsten, wichtigen Schritt. Bürgermeister Meyer verkündete Dennis Schmidt daher in der vergangenen Woche: Die Gemeinde Kalefeld übernimmt ihn nun ab 1.1.26 „vollständig“ zunächst für zwei Jahre als Helfer im Bauhof – mit Vertrag nach TVÖD - und unterstützt ihn sogar finanziell beim Führerscheinerwerb. Eine dauerhafte Übernahme wird danach ebenfalls angestrebt.
Die Jobcoaches im „Jobwerk“ der Harz-Weser-Werke sorgen für mehr Durchlässigkeit für Menschen mit Beeinträchtigungen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt und unterstützen aktiv bei der Vermittlung zwischen Arbeitgebern und möglichen Beschäftigten. Interessierte Unternehmen mit freien Praktikums- oder Arbeitsplätzen oder potentielle Arbeitnehmer können sich jederzeit gern bei den Jobcoaches der jeweiligen Region melden.



