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Crazy Golf als Inklusionsprojekt

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Auf einem Teil des weitläufigen Geländes der Wohnstätte Lange Wiese in Riefensbeek-Kamschlacken, einem Ortsteil von Osterode am Harz mitten im Harz, ist ein Golfplatz entstanden. Kein normaler Minigolfplatz mit Betonbahnen, kein ausgedehnter Golfplatz mit Abschlägen, Grüns und Bunkern, kein Spielplatz für Kinder und kein Sinnesgarten für Menschen mit Behinderungen – und doch von allem etwas. Entstanden ist ein Golfplatz für ALLE, der die Besonderheiten der Menschen berücksichtigt. Für unterschiedlich große Menschen gibt es unterschiedlich lange Schläger, für blinde Menschen Bälle mit Klingeln darin, für Rollstuhlfahrer spezielle Rampen und für alte Leute jemanden, der sich bückt. 
Doch kann auch jeder ausprobieren, wie es sich mit einer Behinderung spielt. Denn man kann sich in einen Rollstuhl setzen und von dort aus loslegen oder sich die Augen verbinden lassen und als blinder Mensch über den Parcours führen lassen. So ist der Platz wirklich barrierefrei: für alle bespielbar und für alle eine neue Erfahrung. Es gibt nur ein einziges Ziel: Das Spielen soll Spaß machen!
Jede Bahn ist ein Unikat und steckt voller Überraschungen. Da gibt es die große „Kaffeemaschine“, bei der man die richtige Kaffeesorte wählen muss, um zum letzten Kaffeebecher zu gelangen. Bei der „Bobbycar-Bahn“ wird der Ball streckenweise mit einem echten Bobbycar transportiert. Bei einer anderen Bahn landet der Ball im Bachlauf und muss mit einem Kescher herausgefischt werden. Das Herzstück der nächsten Bahn ist ein großes Labyrinth, durch das der Ball nur mit vereinten Kräften manövriert werden kann. Beim „Bergwerk“ ist ein echtes Transportband im Einsatz, und die „Baumbahn“ arbeitet mit einer Seilbahn und einer ferngesteuerten Raupe. Bei all den Tücken der Bahnen kann man weder die Schläge zählen noch die Zeit stoppen. Der Wettbewerb wird unwichtig, das Spiel steht im Mittelpunkt. Jeder – egal ob behindert oder nicht – steht vor denselben Herausforderungen.
Das ganze Crazy Golf-Projekt wurde von dem Gedanken getragen, dass sich Menschen unterschiedlichen Alters aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen und vielen Ländern zusammenfinden, gemeinsam ein Ziel verfolgen und dabei voneinander lernen und Spaß haben. In die Planung und Gestaltung des Vorhabens wurden viele Menschen und Gruppen einbezogen. So wurden unterschiedlichste Interessen und Ideen gleichberechtigt betrachtet und koordiniert. Das Besondere war, dass jeder in das Projekt einbringen konnte, was er wollte: Ideen, Know-how, Zeit, Materialien und Geld. Es ging nicht nur um das Sponsoring herkömmlicher Art, sondern um kreative Unterstützung des Projektes. So entstand ein Netzwerk der verschiedensten Institutionen, Firmen und Einzelpersonen.
Junge Leute aus aller Welt erledigten im Rahmen mehrerer internationaler Workcamps wichtige Außenarbeiten. Firmen der Region bauten eigene Bahnen oder spendeten Sach- oder Geldmittel. Die Osteroder Berufsschulen erarbeiteten Marketing- und Unterstützungsstrategien. Die Universität Bochum stellte eine Computeranimation her, ein Architekturbüro übernahm die Planung. Vereine der Umgebung beteiligten sich mit Arbeitseinsätzen und ideenreichen Aktionen. Dabei setzten sie ihre Fähigkeiten oft erstmals für Menschen mit Behinderung ein. Ein Beispiel ist die Modellbaugruppe der Feuerwehr Herzberg, die statt wie üblich Feuerwehrautos nun Modelle der Spielstationen baute, die sehbehinderten Menschen die Orientierung auf der Bahn ermöglichen.
So sensibilisierte schon die Erstellung der Anlage viele Menschen für die Situation von Menschen mit Behinderung. Darüber hinaus ergaben sich beim Bauen viele soziale Kontakte zwischen den Menschen mit Behinderungen und den verschiedenen dort arbeitenden Gruppen, die oft noch nie mit dieser Personengruppe zu tun gehabt hatten. Seit der Eröffnung ist die Wohnstätte stärker in das öffentliche Leben einbezogen und es ergeben sich viele Begegnungen zwischen Bewohnern und Besuchern. Zudem haben zwei Mitarbeiter der Werkstatt auf der Anlage einen Außenarbeitsplatz gefunden: Sie empfangen und begleiten die Gäste und pflegen den Platz. Auch unter diesem Aspekt trägt Crazy Golf zur Barrierefreiheit bei.
Und auch der Ort und die Stadt profitieren: Ein Golfplatz dieser Art, der in Deutschland einmalig ist, ist eine Attraktion in der Region und belebt den Tourismus.